Erfolgreiche Transformationen: So funktioniert Change ohne Vertrauensverlust – Mit Sandra Strauss (Wellhub) und Oliver Herrmann (Telekom)
Zuletzt aktualisiert am 31. Aug. 2026
Transformationen sind in der modernen Arbeitswelt kein Ausnahmezustand mehr, sondern Dauerzustand. Ob M&A-Prozesse, kulturelle Fusionen oder die rasante Integration von KI: Veränderung ist allgegenwärtig. Doch wie gelingt erfolgreiches Change Management, ohne dass das Wohlbefinden der Belegschaft auf der Strecke bleibt?
In einer ganz besonderen Live-Ausgabe des Podcasts What’s Up, Wellbeing? auf der Employee Wellbeing Konferenz in Düsseldorf übernahm Wirtschaftspsychologin und Resilienztrainerin Sophie Rickmannausnahmsweise die Rolle als Host. Sie tauschte sich mit zwei absoluten Profis aus der Praxis aus: Sandra Strauss(Head of Wellbeing bei Wellhub Urban Sports Club) und Oliver Hermann(Head of Wellbeing, Health & Safety bei der Deutschen Telekom).
Im Zentrum des Gesprächs: Wie Unternehmen einen gesunden Wandel gestalten, welche Ängste Change-Prozesse auslösen und warum psychologische Sicherheit der entscheidende Erfolgsfaktor ist.
M&A und Kulturwandel: Die Praxis-Perspektive von Wellhub Urban Sports Club
Der Zusammenschluss von Wellhub und Urban Sports Club war ein strategisches Perfect Match – beide Unternehmen verfolgen seit über einem Jahrzehnt dieselbe Vision: Arbeitgeber und Mitarbeitende zu mehr Wellbeing zu verhelfen. Dennoch brachte die Zusammenführung zweier Branchengrößen komplexe Herausforderungen mit sich: unterschiedliche Zeitzonen (von den USA, über Lateinamerika bis nach Europa), gewachsene Kulturunterschiede und der Übergang von einstigen Mitbewerber:innen zu Teamkolleg:innen.
Sandra Strauss erinnert sich an die emotionale Tragweite des Change-Starts: „Selbst wenn eine Nachricht positiv ist – wie etwa 12 Monate Beschäftigungssicherheit –, erzeugt eine Transformation auf emotionaler Ebene erst einmal Unsicherheit. In den ersten Wochen ist das Gehirn im Fight-or-Flight-Modus. Informationen können rational gar nicht sofort verarbeitet werden.“
Um diesem Schmerzpunkt entgegenzuwirken, hat sie mit ihrem Team unter anderem einen eigens entwickelten „Copilot für die Transformation“ etabliert. Über maßgeschneiderte Interventionen und Einzelgespräche erhielten sowohl Teams als auch Führungskräfte einen geschützten Raum, um Sorgen transparent anzusprechen.
Warum unser Gehirn auf Wandel mit Stress reagiert
Oliver Hermann, der auf über 30 Jahre internationale Management-Erfahrung zurückblickt, hebt die neurowissenschaftliche Komponente bei Veränderungsprozessen hervor. Kommunikation adressiert meist den rationalen präfrontalen Kortex – doch bei Wandel springt zuerst die Amygdala an. Unbewusst läuft bei allen Mitarbeitenden der interne Sender WII-FM („What’s in it for me? Check: Status, Kontrolle, Fairness").
Besonders die rasante Beschleunigung durch KI-Technologien und den digitalen Wandel belastet das Nervensystem zunehmend. Während der Mensch mit hoher Geschwindigkeit gut umgehen kann, erzeugt die massive Beschleunigung im Arbeitsalltag Überforderung.
„Der Mensch kann wunderbar mit Geschwindigkeit umgehen. Womit wir schlecht umgehen können, ist Beschleunigung – von 0 auf 100 in unter einer Sekunde. Das tut weh“, erklärt Oliver Hermann.
Er betont, dass immer weniger Menschen die genaue Funktionsweise moderner Large Language Models durchschauen, was zusätzlich Kontrollverlust und Unsicherheit bezüglich der eigenen Arbeitszukunft schürt.
Dazu kommt: Die KI-Transformation verläuft oft parallel zu laufenden Restrukturierungen oder M&A-Prozessen. Um dieser Informationsdichte entgegenzuwirken, hat Wellhub beispielsweise meetingfreie Freitage etabliert. So erhalten Teams den nötigen Freiraum, um sich ohne ständige Ablenkung selbstorganisiert mit KI-Tools auseinanderzusetzen, tief ins Lernen einzutauchen und das Gehirn zu entschleunigen.
Um diesen Erschöpfungszuständen vorzubeugen, reichen reine Gießkannen-Benefits wie Obstkörbe oder pauschale Angebote nicht aus. Stattdessen braucht es maßgeschneiderte, bedürfnisorientierte Ansätze.
Key Takeaways für HR & Leadership: So gelingt Wellbeing im Change
Psychologische Sicherheit aktiv vorleben: Vertrauen entsteht nicht in der Krise, sondern im Alltag. Wer als Führungskraft Vulnerabilität zeigt und auch einmal Unsicherheiten offen eingesteht, schafft die Basis für ein unterstützendes Arbeitsumfeld.
Kontinuierlich kommunizieren: In Change-Prozessen gibt es kein „zu viel an Kommunikation“. Da unter Stress Informationen emotional blockiert werden, müssen Updates – selbst wenn es „keine News“ gibt – täglich und wiederholt auf allen Ebenen geteilt werden.
Stärkenorientiertes Arbeiten etablieren: Teams, die genau wissen, wer welche Stärken mitbringt, arbeiten energieeffizienter. Das senkt die Stresslast und schützt die mentale Gesundheit langfristig.
Menschliche Begegnungen ermöglichen: Abstrakte Kommunikation nimmt keine Ängste. Erst der konkrete Austausch auf Augenhöhe zwischen Kolleg:innen baut Vorurteile ab und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl.
Regulierung und Entschleunigung verankern: Ob meetingfreie Freitage, Walking Meetings oder gemeinsame Ruhe-Routinen – Organisationen müssen bewusst Räume schaffen, damit das Gehirn durchatmen und wieder kreativ denken kann.
- Echtheit statt Copy-Cat: Corporate Wellbeing-Initiativen funktionieren nur, wenn sie zur echten Kultur passen. Maßgeschneiderte Benefits, die zu den tatsächlichen Bedürfnissen der Mitarbeitenden passen, haben die größten Erfolgschancen.
Folge 2: Wellbeing in Zeiten des Wandels – mit Sandra Strauss & Oliver Hermann
Du möchtest wissen, warum Oliver Hermann auf Eisbaden schwört, welche Glimmer-Momente Sandra Strauss Energie schenken und welche Sätze Führungskräfte öfter sagen sollten? Dann hör jetzt rein!
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