Energie im Job: Wie Schlaf, Nährstoffe und Erholung nachhaltige Performance schaffen – Mit Julian & Dr. Dirk Loeffert
Zuletzt aktualisiert am 17. Sept. 2026
Viele Unternehmen sprechen heute über Produktivität, Effizienz und High Performance. Doch im Arbeitsalltag sieht die Realität in vielen Teams anders aus: Dauerhafter Druck, dichte Meeting-Kalender und Erreichbarkeit bis in den Abend führen dazu, dass viele Beschäftigte im ständigen „Low-Battery-Modus“ funktionieren.
Wer die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter steigern will, sollte deshalb nicht bei Motivationstricks, Durchhalte-Appellen oder dem nächsten kurzfristigen Performance-Hack ansetzen. Die Wissenschaft zeigt klar: Nachhaltige Performance ist eine Frage der Biologie.
In dieser Folge von What’s Up, Wellbeing?spricht unsere Gastgeberin Sandra Strauß (Chief People Officer bei Wellhub Urban Sports Club) mit dem Gründer-Duo von FACTS, Dr. Dirk Loeffert und Julian Loeffert, darüber, warum Corporate Wellbeing eine biologische Basis braucht, was Cortisol im Arbeitsalltag anrichtet und welche Verantwortung Arbeitgeber bei Themen wie Ernährung, Schlaf und Regeneration tragen.
Biologie statt Willenskraft: Die Illusion des Hustle Mindsets
Wenn die Performance im Team nachlässt, wird das oft fälschlicherweise als Mangel an Motivation oder falschem Mindset abgetan. Biologisch gesehen ist das ein Trugschluss:
„Es ist kein Hustler-Mindset, das uns langfristig performen lässt, sondern Biologie. Wenn der Körper biologisch im Tief steckt, leidet die Arbeitsqualität – ob wir wollen oder nicht.“
— Julian Loeffert, Mitgründer von FACTS
Wer im chronischen Energiemangel steckt, schaltet mental von proaktiver, strategischer Arbeit auf reaktives Abarbeiten um. Für dein Unternehmen bedeutet das: Die Kreativität sinkt, die Fehlerquote steigt und strategische Weitblick-Entscheidungen bleiben auf der Strecke.
Der biologische Feind der Entscheidungsqualität: Wie Cortisol das Gehirn blockiert
Ein zentraler Faktor für die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz ist das Stresshormon Cortisol. In akuten Phasen – etwa vor wichtigen Projekt-Deadlines – mobilisiert Cortisol nötige Energiereserven und schärft deinen Fokus.
Wird der Stress jedoch chronisch, passiert im Gehirn Folgendes:
- Überlastung des präfrontalen Cortex: Diese Gehirnregion ist für exekutive Funktionen wie fokussiertes Arbeiten, logisches Denken und komplexe Problemlösungen verantwortlich. Über den Tag reichern sich dort Stoffwechselprodukte (wie Glutamat) an.
- Verlagerung ins limbische System: Kann der Körper diese Abbauprodukte nicht regenerieren, übernimmt das limbische System – das Zentrum für Emotionen und Instinkte.
- Folge: Entscheidungen werden nicht mehr rational und durchdacht getroffen, sondern emotional, impulsiv und reaktiv.
Schlechte Führungsentscheidungen am Nachmittag sind somit meist kein Zeichen mangelnder Kompetenz oder fehlender Willenskraft, sondern eine direkte biochemische Überlastungsreaktion.
Die 3 biologischen Säulen für nachhaltige Mitarbeiter-Energie
Um den „Low-Battery-Modus“ in deinen Teams zu durchbrechen, kannst du an drei fundamentalen Stellschrauben der Biologie ansetzen:
| Säule | Biologische Wirkung | Praxis-Impuls fürs Unternehmen |
| Transportiert Stoffwechselabfälle im Gehirn ab und reguliert die emotionale Erregbarkeit (REM-Schlaf). | Klare Erreichbarkeitsgrenzen setzen: Keine E-Mails oder Decks späten Abends oder am Wochenende verschicken. |
| Fördert die Neuroplastizität, verbessert die Durchblutung und synchronisiert die innere biologische Uhr (zirkadianer Rhythmus). | Tageslicht-Spaziergänge fördern, Bewegungspausen und Walk & Talk Meetings fest einplanen. |
| Schließt essenzielle Nährstofflücken (z. B. Vitamin D, Omega-3, Magnesium, Ballaststoffe) für Gehirn- und Darmgesundheit. | Gesunde Alternativen im Büro bereitstellen und gezielte Informationen zur Nährstoffversorgung anbieten. |
Führungskultur als Energieräuber – oder Energielieferant
Corporate Wellbeing lässt sich nicht allein durch Benefits lösen. Eine entscheidende Rolle spielt die tägliche Führungskultur.
Die größten Energieräuber im Betrieb:
- Mangelnde Wertschätzung: Fehlendes oder vages Feedback erhöht den Cortisolspiegel massiv, da Mitarbeitende sich unter ständiger unsicherer Beobachtung fühlen.
- Fragmentiertes Arbeiten (Multitasking): Ständiges Hin- und Her-Springen zwischen Videocalls, Mails und Aufgaben überfordert das Gehirn.
- Ständige Erreichbarkeit: Wer abends noch E-Mails liest, blockiert die neurologische Regeneration in der Nacht.
Wie Führungskräfte Energie geben:
- Fokus-Zeiten schützen: Blöcke für tiefes, ununterbrochenes Arbeiten fest im Team verankern.
- Entscheidungs-Meetings timen: Wichtige und komplexe Termine in den Vormittag legen (ca. 10:00–12:00 Uhr), wenn das Gehirn frisch ist.
- Verantwortung & Selbstkontrolle übergeben: Autonomie reduziert das Stressempfinden nachweislich.
Messbarkeit ohne Optimierungswahn: Welche Daten wirklich zählen
Wearables und digitale Tracking-Tools werden in der Arbeitswelt immer beliebter. Dr. Dirk Loeffert warnt jedoch vor einem extremen „Selbstoptimierungswahn“, da dieser wiederum Stress erzeugen kann. Wenn Daten genutzt werden, sollte der Fokus auf zwei zentralen Indikatoren liegen:
- Herzfrequenzvariabilität (HRV): Zeigt die Variabilität der Abstände zwischen Herzschlägen und ist das beste Maß für die Erholungs- und Stressregulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems (Vagus-Tonus).
- VO2max-Wert: Stellt die maximale Sauerstoffaufnahme der Zellen dar und ist ein wissenschaftlich belegter Indikator für allgemeine kardiovaskuläre Fitness und Lebensenergie.
Privatsache vs. Arbeitgeberpflicht: Was haben Unternehmen mit Schlaf & Ernährung zu tun?
Schlaf, Ernährung und Nährstoffversorgung wirken auf den ersten Blick wie reine Privatsache. Schließlich können und wollen Führungskräfte niemandem vorschreiben, was abends auf den Teller kommt oder wann das Licht ausgeht.
Warum sollte sich dein HR-Team also trotzdem damit beschäftigen? Ganz einfach: Arbeitsumfeld und Privatleben beeinflussen sich beim Thema Gesundheit gegenseitig.
- Verantwortung durch Rahmenbedingungen: Als Arbeitgeber trägst du die Verantwortung dafür, ein Umfeld zu schaffen, das gesunde Entscheidung leicht macht. Dazu gehört, keine Dauerüberlastung zu erzeugen und biologische Grundbedürfnisse nicht durch toxische Unternehmenskulturen auszuhebeln.
- Vorbildfunktion & Aufklärung: Durch Gesundheitstage, Wellbeing Benefitsoder Impulse zu Schlaf- und Nährstofflehre gibst du deinen Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand, die auch ihr privates Wohlbefinden nachhaltig verbessern.
- Nudging statt Bevormundung: Keiner möchte bevormundet werden. Aber du kannst gesündere Entscheider-Anreize setzen – zum Beispiel, indem gesunde Mahlzeiten in der Kantine subventioniert werden oder vollwertige Snacks statt nur Gummibärchen in der Teeküche bereitstehen.
Fazit: Welches Unternehmen gewinnt langfristig?
Du stehst mit deinem Unternehmen vor einer Wahl: Versucht ihr, eure Mitarbeitenden wie Maschinen maximal zu optimieren und Dauer-Sprints zu erzwingen – oder schafft ihr Rahmenbedingungen für biologisch nachhaltige Leistungsfähigkeit?
Eine zukunftsfähige Wellbeing-Strategie begreift Performance als Marathon. Wenn HR-Teams und Führungskräfte biologische Grundbedürfnisse – Erholung, Nährstoffe, Fokus und Wertschätzung – fest in der Kultur verankern, steigert ihr nicht nur die Mitarbeiterbindung, sondern sichert die langfristige Innovations- und Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens.
Folge 26: Energie als Biologie: Wie Schlaf, Nährstoffe und Erholung echte Performance schaffen – mit Dr. Dirk Loeffert & Julian Loeffert
Du möchtest wissen, wie Dauerstress und das Hormon Cortisol die biochemische Impulskontrolle im Gehirn beeinträchtigen, weshalb die Entscheidungsfähigkeit mit zunehmender Überlastung sinkt und wie Kennzahlen wie die Herzratenvariabilität (HRV) oder der VO2max-Wert als Indikatoren für Erholung und Fitness dienen können. Dann hör jetzt rein.
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