Persönlichkeitsentwicklung im Job – wie wir unsere Resilienz stärken und Stress besser bewältigen – mit Prof. Dr. Eva Asselmann
Zuletzt aktualisiert am 1. Okt. 2026

Das Gefühl, dass alles „too much“ wird, gehört für viele Menschen im modernen Arbeitsleben fast schon zum Dauerzustand. Ständige Erreichbarkeit, rasante Veränderungen und eine schier unendliche Informationsflut fordern mental ihren Tribut. Doch was passiert bei permanenter Überlastung eigentlich mit unserer Psyche? Und wie schaffen wir es, Resilienz im Beruf aufzubauen und Überforderung im Job zu bewältigen, ohne uns im Selbstoptimierungswahn zu verlieren?
In der neuesten Folge von What’s Up, Wellbeing? spricht Gastgeberin Sandra Strauß mit Prof. Dr. Eva Asselmann, Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der HMU Health and Medical University Potsdam, Bestseller-Autorin und einer der führenden Expertinnen für mentale Gesundheit, Resilienz und Selbstwirksamkeit.

Persönlichkeitsentwicklung im Job: Wie uns die Arbeit prägt
Dass uns emotionale Erfahrungen im Privatleben prägen, ist allgemein bekannt. Doch die Forschung von Prof. Dr. Eva Asselmann zeigt Überraschendes: Die Arbeit hat oft einen noch stärkeren Einfluss auf unsere Persönlichkeitsentwicklung im Job als viele familiäre Ereignisse.
- Anstieg der Gewissenhaftigkeit: Beim Einstieg ins Berufsleben werden junge Erwachsene im Schnitt messbar ordentlicher, pünktlicher und zuverlässiger. Der Grund liegt in den klar definierten Rollenanforderungen und expliziten Feedbackprozessen im Beruf.
- Langfristige Prägung: Wer über Jahrzehnte 40 Stunden pro Woche in einem bestimmten Umfeld arbeitet, formt dort essenzielle Verhaltensmuster.
- Typus-Abhängigkeit: Die Art der Veränderung hängt jedoch stark von den konkreten Aufgaben und dem Arbeitsumfeld ab – vom kreativen Freiraum bis hin zur strukturierten Schreibtischarbeit.
Überforderung im Job bewältigen: Wenn der Workload „too much“ wird
Herausforderungen bieten Chancen zu wachsen – doch die Grenze zwischen gesunder Eigenschaftsentwicklung und Überforderung ist schmal. Wenn hohe Arbeitsbelastung mit geringer Autonomie und fehlenden Handlungsspielräumen zusammenkommt, entsteht chronischer Stress.
Lernen und Wachstum dürfen laut Prof. Dr. Asselmann punktuell stressig sein (z. B. vor einer wichtigen Deadline). Kritisch wird es jedoch, wenn der Anspannung über Wochen oder Monate keine Regeneration folgt. Fehlt die Erholung, kippt der Körper in eine energetische Abwärtsspirale.
Typische Warnsignale für permanente Überlastung:
- Schleichender Verlust der Arbeitsfreude und innere Unruhe.
- Das Gefühl, am Feierabend oder Sonntagabend nicht mehr abschalten zu können.
- Körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Bauchschmerzen oder diffuses Unwohlsein.
- Vermeintliches Kompensationsverhalten (z. B. extrem rigide Routinen, um verlorene Kontrolle zurückzugewinnen).
3 Praxis-Tipps für mehr Resilienz im Beruf und gesunde Gelassenheit
Resilienz bedeutet keineswegs, unerschütterlich zu funktionieren oder in Krisen nicht mal gestresst oder schlecht drauf sein zu dürfen. Aus psychologischer Sicht ist Resilienz im Beruf die Fähigkeit zur flexiblen Anpassung: sich nach Belastungen immer wieder zu erholen und gestärkt aus der Erfahrung herausgehen zu können.
Prof. Dr. Eva Asselmann teilt im Podcast konkrete Impulse, wie wir unsere innere Stärke stärken:
- Mikro-Pausen nutzen („Microbreaks“)
Häufig scheitert die Erholung daran, dass wir unter Stress gar nicht mehr wahrnehmen, wie es uns geht. Es müssen keine stundenlangen Auszeiten sein: Schon winzige Unterbrechungen im Alltag, kurz innehalten, durchatmen, im Körper ankommen, stoppen die Stress-Abwärtsspirale effektiv.
- Priorisieren & Mental Load parken
Wenn die Informationsflut zu viel wird, hilft ein einfaches Blatt Papier, um alle To-Dos, Sorgen und Aufgaben direkt aufzuschreiben. Das parkt den Mental Load außerhalb des Kopfes. Im zweiten Schritt sollte radikal sortiert werden: Was ist wirklich wichtig und dringend? Was kann warten? Kleine Erfolge (z. B. das Erledigen einer einzelnen Mail) stärken die eigene Selbstwirksamkeit.
- Stärken stärken statt Schwächen in den Mittelpunkt zu rücken
Echte innere Stärke entsteht fernab von Selbstoptimierungsdruck. Anstatt zu versuchen, vermeintliche Schwächen krampfhaft umzukrempeln, lohnt sich der Fokus auf die eigenen Potenziale (z. B. die tiefgründige Konzentrationsfähigkeit von introvertierten Personen).
- Tipp für das Wochenende: Mache eine „Stärkendusche“! Frage Freund:innen, Kolleg:innen oder die Familie: „Was schätzt du an mir und was siehst du als meine Stärken?“ Da wir eigene Stärken oft als selbstverständlich abtun, bringt dieser Blick von außen oft enormen Rückenwind.
Was Unternehmen und Führungskräfte beitragen können
Damit Resilienz keine reine Überlebensstrategie für Mitarbeitende bleibt, braucht es tragfähige Rahmenbedingungen. Führungskräfte setzen hier die entscheidenden Hebel an:
- Echte Wertschätzung vorleben: Fehlende Anerkennung zermürbt Menschen langfristig. Führungskräfte sollten nicht nur Möglichkeiten zur Verbesserung ansprechen, sondern Positives und Stärken explizit benennen und sichtbar machen.
- Handlungsspielräume gewähren: Autonomie schützt vor Burnout. Vertraue deinen Teams bei der konkreten Ausgestaltung ihrer Aufgaben.
- Unsicherheiten zeigen: Führung bedeutet heute nicht mehr, alle Antworten parat zu haben. Wer als Führungskraft auch mal eingesteht: „Ich kenne die perfekte Lösung hier noch nicht – lasst uns das gemeinsam ausprobieren“, schafft Vertrauen und fördert ein gesundes Miteinander.
Welchen Einflussbereich habe ich wirklich?
Wenn der Alltag übermächtig erscheint, hilft der Blick auf die eigene Einflusszone: Was liegt konkret in meiner Macht – und was nicht? Wir sind nicht für alle Krisen dieser Welt persönlich verantwortlich. Wer die eigene Energie auf das lenkt, was selbst gestaltet werden kann, findet Schritt für Schritt zurück in die eigene Handlungsfähigkeit.
Erfahre alle wissenschaftlichen Hintergründe und persönlichen Anekdoten im Gespräch zwischen Sandra Strauß und Prof. Dr. Eva Asselmann. Jetzt Folge auf Spotify, Apple Podcasts oder YouTube anhören & anschauen!

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